Wissen & Ratgeber
Ein Knopfdruck, der Leben rettet
Stürze sind der häufigste Notfall im Alter – und meist passiert es dort, wo man sich am sichersten fühlt: zu Hause. Entscheidend ist dann nicht der Sturz selbst, sondern wie schnell Hilfe kommt.
23,8 %
der Menschen ab 65 stürzen mindestens einmal pro Jahr – ab 80 sogar jeder Dritte. (Robert Koch-Institut, 2022)
~5 Mio.
Stürze älterer Menschen gibt es schätzungsweise jedes Jahr allein in Deutschland.
Jeder 2.
Gestürzte über 65 kann nicht aus eigener Kraft wieder aufstehen – und braucht Hilfe von außen.
> 1 Std.
hilflos liegen („Liegetrauma“): Studien zeigen deutlich erhöhte Risiken für schwere Folgeschäden.
Das unterschätzte Risiko: die Liegezeit
Wer nach einem Sturz länger hilflos am Boden liegt, riskiert Unterkühlung, Druckstellen, Kreislauf- und Nierenprobleme – und verliert oft dauerhaft das Vertrauen in die eigene Selbstständigkeit. Die geriatrische Forschung spricht vom „Liegetrauma“: Schon eine Liegezeit von mehr als einer Stunde ist mit deutlich schlechteren Heilungsverläufen verbunden – unabhängig davon, ob der Sturz selbst Verletzungen verursacht hat. Die wichtigste Stellschraube ist deshalb simpel: die Zeit bis zur Hilfe so kurz wie möglich machen.
„Ich habe doch ein Handy“ – reicht das nicht?
Ein Handy ist wertvoll – aber im Ernstfall hat es entscheidende Schwächen:
Nachts und im Bad griffbereit?
✗ Handy: liegt nachts oft am Ladekabel oder im anderen Zimmer – ausgerechnet auf dem Weg ins Bad passieren viele Stürze.
✓ Hausnotruf: Der Notrufsender ist am Handgelenk oder als Halsband immer am Körper – wasserdicht, auch unter der Dusche.
Bedienbar im Notfall?
✗ Handy: entsperren, App suchen, Nummer wählen – mit Schock, Schmerzen oder ohne Brille kaum zu schaffen.
✓ Hausnotruf: Ein einziger großer Knopf. Ohne PIN, ohne Menü, ohne Display.
Was passiert bei Bewusstlosigkeit?
✗ Handy: bleibt stumm, wenn Sie nicht mehr drücken oder sprechen können.
✓ Hausnotruf: Der Sturzsensor erkennt den Sturz und alarmiert automatisch – ganz ohne Knopfdruck.
Wer weiß, was Ihnen hilft?
✗ Handy: beim 112-Anruf müssen Sie Adresse, Vorerkrankungen und Medikamente selbst erklären können.
✓ Hausnotruf: Die 24/7-Leitstelle kennt Ihre hinterlegten Daten: Adresse, Vorerkrankungen, Medikamente, Angehörige, Schlüsselhinterlegung.
Hilfe auch unterwegs?
✗ Handy: Sie müssen erklären können, wo Sie sind.
✓ Hausnotruf: Mobile Notrufgeräte orten Sie per GPS – die Leitstelle weiß sofort, wohin die Hilfe muss.
Immer einsatzbereit?
✗ Handy: muss täglich geladen werden – ist der Akku leer, gibt es keinen Notruf.
✓ Hausnotruf: Sender halten Monate bis Jahre, mobile Geräte mehrere Tage – die Basisstation hat einen Notstromakku für Stromausfälle.
Und der Datenschutz?
✗ Handy: Apps, Standortdienste und Werbetracker sammeln oft dauerhaft Daten.
✓ Hausnotruf: Überträgt Daten nur im Notfall, an eine Leitstelle in Deutschland – DSGVO-konform.
Fragen Sie sich ehrlich:
Haben Sie Ihr Handy nachts griffbereit – auch auf dem Weg ins Bad?
Der Notrufknopf ist es. Immer.
Könnten Sie nach einem Sturz mit verletzter Hand Ihr Handy noch entsperren?
Ein Knopf lässt sich auch mit der „falschen“ Hand drücken.
Wird jemand alarmiert, wenn Sie es selbst nicht mehr können?
Nur mit automatischer Sturzerkennung.
Weiß der Rettungsdienst, welche Medikamente Sie nehmen?
Die Leitstelle gibt Ihre hinterlegten Gesundheitsdaten direkt weiter.
Kommt jemand herein, ohne die Tür aufzubrechen?
Mit Schlüsselhinterlegung ja – das spart Zeit und Kosten.
Wenn Sie auch nur eine dieser Fragen mit „Nein“ beantworten, ist ein Hausnotruf mehr als eine Überlegung wert. Bei anerkanntem Pflegegrad übernimmt die Pflegekasse in der Regel die Grundkosten.
Quellen: Robert Koch-Institut / Gesundheitsberichterstattung des Bundes: Stürze ab 65 Jahren (2022); Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie: „Das sturzbedingte Liegetrauma“. Alle Angaben ohne Gewähr; dieser Beitrag ersetzt keine medizinische Beratung.