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PNOG-Radar · Sozialraumbudget 2027

Sozialraumbudget in der Pflege 2027: 175 € monatlich – was es ist, wer es bekommt, wer abrechnen darf

Das Sozialraumbudget ersetzt nach dem PNOG-Regierungsentwurf ab 1. Januar 2027 den Entlastungsbetrag: 175 € statt 131 € im Monat, nur für Pflegegrad 2 bis 5, nur für anerkannte Alltagsunterstützung. Stand: 18. Oktober 2026.

Zum RechenbeispielFür Anbieter: Was darf ich abrechnen?

Definition

Das Sozialraumbudget ist nach dem Regierungsentwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG, § 45b SGB XI-E) ab dem 1. Januar 2027 ein monatlicher Betrag von 175 € für Pflegebedürftige der Pflegegrade 2 bis 5 (bis zum vollendeten 25. Lebensjahr 300 €), der ausschließlich für anerkannte Angebote zur Unterstützung im Alltag nach § 45a SGB XI eingesetzt werden kann. Es ersetzt den heutigen Entlastungsbetrag von 131 €, entsteht ohne Antrag, wird als Kostenerstattung gegen Belege oder per Abtretung an den Anbieter ausgezahlt und kann nicht angespart werden.

Quelle: Gesetzentwurf der Bundesregierung zum PNOG, Kabinettsbeschluss vom 30. September 2026 · noch kein geltendes Recht · Stand 18. Oktober 2026

Weitere Werkzeuge: Rechner 2027 · Abrechnungs-Matrix · Pflegereform 2027 im Überblick

Was ist das Sozialraumbudget? Die Kurzfassung

Das Sozialraumbudget (§ 45b SGB XI-E) tritt nach dem Regierungsentwurf an die Stelle des Entlastungsbetrags. Der Betrag steigt von 131 auf 175 Euro monatlich, für Pflegebedürftige bis zum vollendeten 25. Lebensjahr auf 300 Euro. Zugleich wird die Verwendung enger: ausschließlich für Angebote zur Unterstützung im Alltag – nicht mehr für ambulante Pflegedienste oder Tages- und Nachtpflege. Ansparen ist nicht mehr möglich. Und: Menschen mit Pflegegrad 1 erhalten das Sozialraumbudget nicht.

 Heute: EntlastungsbetragEntwurf: Sozialraumbudget
Betrag131 € monatlich175 € monatlich, bis zum vollendeten 25. Lebensjahr 300 €
Verwendbar fürAlltagsangebote, ambulante Pflegedienste, Tages- und Nachtpflege, KurzzeitpflegeAusschließlich Angebote zur Unterstützung im Alltag
AnsparenMöglich (bis zu 6 Monate ins Folgehalbjahr)Nicht mehr möglich
Pflegegrad 1AnspruchsberechtigtKein Anspruch

Die vollständige Budget-Systematik – Entlastungsbudget, Sachleistungsbudget, Überbrückungsbudget – haben wir in der Entlastungsbudget-Rechnung durchgerechnet; die Beträge je Pflegegrad: Entlastungsbudget 2027.

Wie hoch ist das Sozialraumbudget 2027?

175 € im Monat für Pflegegrad 2 bis 5, 300 € im Monat für Pflegebedürftige bis zum vollendeten 25. Lebensjahr – das sind 44 € bzw. 169 € mehr als der heutige Entlastungsbetrag von 131 €. Der Betrag ist für alle Pflegegrade ab 2 gleich hoch; eine Staffelung nach Pflegegrad sieht der Regierungsentwurf nicht vor. Pflegegrad 1 erhält kein Sozialraumbudget. Nicht genutzte Monatsbeträge verfallen.

Sozialraumbudget Beispiel: Was 175 € im Monat konkret bedeuten

Beispielhaushalt mit Pflegegrad 3, der Alltagsbegleitung über einen anerkannten Anbieter nutzt (Beispielpreis 16 € je Stunde – die tatsächlichen Preise sind regional und je Anbieter unterschiedlich):

 Heute (§ 45b alt)Ab 2027 (Regierungsentwurf)
Pauschalbetrag für Alltagshilfe131 € → rund 8 Stunden175 € → rund 11 Stunden
Zusätzlich: 40 % Umwandlung der Sachleistung (PG 3: 1.497 €)bis zu 599 € → rund 37 StundenKeine Nachfolgeregelung im Entwurf
Maximal für Alltagshilfe nutzbarbis zu 730 € / rund 45 Stunden175 € / rund 11 Stunden
Verwendbar für Tagespflege-Eigenanteil oder PflegedienstJaNein
Ansparen über MonateJa (bis 30. Juni des Folgejahres)Nein

Lesart: Wer heute nur den Entlastungsbetrag nutzt, hat ab 2027 rund drei Stunden Alltagshilfe mehr im Monat. Wer heute zusätzlich den Umwandlungsanspruch ausschöpft, verliert nach dem Entwurf bis zu drei Viertel des bisher nutzbaren Betrags – der Umwandlungsanspruch hat im Regierungsentwurf keine Nachfolgeregelung (Details). Die 40-Prozent-Beträge je Pflegegrad heute: PG 2 318 €, PG 3 599 €, PG 4 744 €, PG 5 920 € (Basis: ambulante Sachleistungsbeträge 2025).

Entlastungsbetrag ab 2027: Welche Verwendung bleibt – welche entfällt?

Der Entlastungsbetrag nach § 45b kann heute für vier Leistungsgruppen eingesetzt werden. Das Sozialraumbudget übernimmt davon genau eine. Für die übrigen drei entfällt die ergänzende Erstattung aus diesem Topf – der jeweilige Leistungsanspruch selbst besteht weiter, nur ohne diesen Zuschuss.

Vorher → Nachher: die vier Verwendungen des Entlastungsbetrags

Verwendung heute (§ 45b, 131 €)Ab 2027 (Regierungsentwurf)Status
Angebote zur Unterstützung im Alltag (§ 45a): Alltagsbegleitung, Haushaltshilfe, Betreuungsgruppen, NachbarschaftshilfeSozialraumbudget 175 € (Pflegegrad 2–5) bzw. 300 € bis zum vollendeten 25. Lebensjahr – zweckgebunden ausschließlich hierfür, kein Ansparenbleibt – wird größer
Leistungen ambulanter Pflegedienste (Betreuung, hauswirtschaftliche Versorgung)Erstattung aus diesem Topf entfällt. Pflegedienst-Leistungen laufen über das Sachleistungsbudget (PG 3: 1.590 €)entfällt als Zuschuss
Eigenanteil Tages-/NachtpflegeErgänzende Erstattung entfällt. Der Anspruch nach § 41 bleibt – zusätzlich zu Sachleistung, Pflegegeld oder Überbrückungsbudget, ohne Anrechnungentfällt als Zuschuss
Eigenanteil KurzzeitpflegeErgänzende Erstattung entfällt. Pflegebedingte Kosten, Betreuung und Behandlungspflege der Kurzzeitpflege zahlt die Kasse künftig aus dem Überbrückungsbudget (bis 2.285 €/Jahr); Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten bleiben Eigenanteil (§ 42 Abs. 2 neu)entfällt als Zuschuss

Was sich zusätzlich ändert – keine Verwendung des Entlastungsbetrags, aber im selben Zusammenhang neu geregelt

RegelungHeuteAb 2027 (Regierungsentwurf)
40-%-Umwandlung der Sachleistung in § 45a-Angebotebis zu 318 / 599 / 744 / 920 € (PG 2–5)Keine Nachfolgeregelung
Pflegegrad 1131 € EntlastungsbetragKein Sozialraumbudget; ab 2029 Pflegebegleitung (§ 7c)
Anerkennung der AnbieterNach LandesrechtDrei Wege: Landesrecht · Nachbarschaftshilfe über die Pflegekassen (GKV-SV-Richtlinien bis 01.01.2028, bis dahin weiter die Landesbehörde nach der bisherigen Verordnung) · Zulassung als Betreuungseinrichtung nach § 72 – die schließt eine § 45a-Anerkennung für dasselbe Angebot aus
Ansparen nicht genutzter BeträgeBis 30. Juni des FolgejahresEntfällt – Monatsbeträge verfallen
AuszahlungKostenerstattung oder AbtretungKostenerstattung gegen Belege; Abtretung erst nach Anzeige bei der Kasse wirksam (§ 35b neu)

Lesart in drei Szenarien

Haushalt A nutzt die 131 € heute komplett für Alltagsbegleitung.

Ab 2027: 44 € mehr, rund drei Stunden zusätzlich im Monat.

Haushalt B setzt die 131 € heute als Zuschuss zum Tagespflege-Eigenanteil ein.

Dieser Zuschuss fällt weg; das Sozialraumbudget hilft nur, wenn zusätzlich ein § 45a-Angebot genutzt wird. Der Tagespflege-Anspruch selbst bleibt.

Haushalt C schöpft heute zusätzlich die 40-%-Umwandlung aus (PG 3: bis zu 730 € für Alltagshilfe).

Verliert bis zu drei Viertel des bisher nutzbaren Betrags.

Für Anbieter nach § 45a: Das Sozialraumbudget ist nur für anerkannte Alltagsangebote einsetzbar und monatlich verfallend. Ob daraus mehr Nachfrage wird, hängt vom einzelnen Haushalt ab – ein höherer Höchstbetrag ist kein höherer Gesamtnutzen. Wer sein Angebot als Betreuungseinrichtung nach § 72 zulassen lässt, rechnet über das Sachleistungsbudget ab und kann für dasselbe Angebot keine § 45a-Anerkennung mehr erhalten. Gesamtbild aller Budgets: Pflegereform 2027 – Überblick.

Für Anbieter: Was darf ich ab 2027 noch abrechnen?

Wählen Sie Ihre Rolle und den Pflegegrad Ihres Kunden – Sie sehen je Leistung, aus welchem Topf sie heute bezahlt wird, woraus ab 2027, und was das für Ihren Betrieb heißt.

Pflegegrad 1: heute 131 € Entlastungsbetrag + 42 € Verbrauchshilfsmittel. Ab 2027 nach Entwurf weder Sozialraum- noch Entlastungsbudget; Pflegebegleitung ab 2029 (§ 7c). Für alle drei Anbietergruppen entfällt damit der Abrechnungsweg bei Pflegegrad 1.

Ihre Kunden bleiben – das Budget wechselt. Ein zusätzliches Standbein: Hausnotruf unter Ihrer Marke.

Hausnotruf nach § 40 SGB XI ist nicht Teil der neuen Budgets. Vergütung der Pflegekasse heute 32,13 € je Versorgung und Monat – brutto, vor Kosten und nur bei erfülltem Anspruch und Genehmigung der Pflegekasse. DCO übernimmt Antrag, Geräte, Leitstelle und Abrechnung.

Hausnotruf für meinen Betrieb prüfenSo läuft die Versorgung

Beträge: Sachleistung 796/1.497/1.859/2.299 € → Sachleistungsbudget 890/1.590/2.090/2.530 €; Entlastungsbetrag 131 € → Sozialraumbudget 175 € (300 € bis zum vollendeten 25. Lebensjahr); Tagespflege 721/1.357/1.685/2.085 € (§ 41 im Entwurf ohne Betragsänderung angenommen); Kurzzeitpflege heute aus dem gemeinsamen Jahresbetrag mit der Verhinderungspflege bis 3.539 €/Jahr (§ 42a) → Überbrückungsbudget bis 2.285 €/Jahr. Nach Entwurfsstand (Kabinett 30.09.2026), keine Rechtsberatung.

Drei weitere Sozialraumbudget-Beispiele aus der Praxis

Alle Beispiele nach Regierungsentwurf, mit Beispielpreisen. Ob und wie Pflegekassen und Länder die Details in der Umsetzung konkretisieren, ist noch offen.

Beispiel 1: Die Rechnung ist höher als das Budget

Pflegegrad 2, Alltagsbegleitung durch einen anerkannten Anbieter: 6 Stunden zu je 35 € = 210 € im Monat. Die Pflegekasse erstattet höchstens 175 €. Die restlichen 35 € zahlt der Kunde selbst. Umgekehrt gilt: Wird das Budget in einem Monat nicht ausgeschöpft, verfällt der Rest – eine Ansparung für spätere Monate ist im Entwurf nicht mehr vorgesehen.

Beispiel 2: Kostenerstattung oder Abtretung

Ohne Abtretung zahlt der Kunde die Rechnung zunächst selbst und reicht den Beleg bei der Pflegekasse ein; die Kasse erstattet bis 175 €. Mit Abtretung nach § 35b rechnet der Anbieter direkt mit der Kasse ab – wirksam aber erst, wenn der Kunde die Abtretung bei der Kasse angezeigt hat. Die Kasse bestätigt dann Zahlung und verbleibenden Anspruch. Für Anbieter heißt das: Abtretung früh anzeigen lassen, sonst trägt der Kunde die Vorleistung.

Beispiel 3: Mehrere Anbieter im selben Monat

Ein Kunde nutzt eine Haushaltshilfe für 100 € und eine Alltagsbegleitung für 100 € im Monat – zusammen 200 €. Das Sozialraumbudget deckt insgesamt nur 175 €; welcher Anbieter wie viel erhält, hängt von Belegen und Abtretungsanzeigen ab. In der Praxis hilft eine klare Absprache mit dem Kunden: wer welches Monatskontingent bekommt – und wer den Überschuss privat abrechnet.

Welche Leistungen ab 2027 über welches Budget laufen, zeigt die Abrechnungs-Matrix; alle vier Budgets im Überblick stehen auf der Seite Pflegereform 2027.

Nachbarschaftshilfe und das Sozialraumbudget

Nachbarschaftshilfe bleibt nach dem Regierungsentwurf abrechenbar – als eine von drei Zugangsformen zu den Angeboten zur Unterstützung im Alltag: Einzelhelfende werden künftig als Nachbarschaftshilfe von den Pflegekassen anerkannt (§ 45a Abs. 4 SGB XI-E); die Einzelheiten regelt eine Richtlinie des GKV-Spitzenverbands, die bis zum 1. Januar 2028 vorliegen soll. Bis dahin gilt weiter die Anerkennung durch die jeweilige Landesbehörde. Die Vergütung ist landesrechtlich geregelt und unterscheidet sich je Bundesland; sie wird wie bisher über das Budget erstattet – ab 2027 also aus den 175 € des Sozialraumbudgets statt aus dem Entlastungsbetrag. Für Angehörige heißt das: Wer heute über eine anerkannte Nachbarschaftshelferin abrechnet, kann das nach Entwurfsstand weiterhin tun, mit höherem Monatsbetrag, aber ohne Ansparmöglichkeit.

Warum hier ein Markt entstehen könnte

Zwei Effekte wirken zusammen. Erstens steigt der Betrag je Berechtigtem – bei Millionen von Anspruchsberechtigten in den Pflegegraden 2 bis 5 ist das ein erhebliches jährliches Volumen, das zweckgebunden in genau eine Angebotskategorie fließen soll. Zweitens konzentriert die engere Zweckbindung diese Nachfrage: Wo das Geld heute zwischen Pflegediensten, Tagespflege und Alltagsangeboten aufgeteilt werden kann, bliebe künftig nur noch die Alltagsunterstützung als Verwendungszweck. Wer dort anerkannt ist, konkurriert um ein größeres, klarer abgegrenztes Budget.

Dass der Betrag nicht mehr angespart werden kann, verstärkt den Effekt: Nicht genutzte Monate verfallen. Das erzeugt für Berechtigte und Angehörige einen Anreiz, laufende Unterstützung tatsächlich zu organisieren – und für Anbieter planbare, monatlich wiederkehrende Nachfrage.

Wer profitieren könnte – und woran es hängt

Anerkannte Alltagshilfe-Anbieter

Haushaltsnahe Unterstützung, Betreuung, Begleitung: Wer nach Landesrecht als Angebot zur Unterstützung im Alltag anerkannt ist, wäre der direkte Adressat des neuen Budgets. Die Anerkennung ist Ländersache – Verfahren und Anforderungen unterscheiden sich erheblich.

Pflegedienste mit Alltagshilfe-Zweig

Für die Pflegeleistung selbst wäre das Sozialraumbudget nicht mehr einsetzbar. Pflegedienste, die eine anerkannte Alltagshilfe-Sparte aufbauen, könnten die wegfallende Verwendungsmöglichkeit aber teilweise auffangen – mit vorhandenem Personalzugang und Kundenstamm.

Pflegebox-Anbieter auf Diversifikationskurs

Wenn die 42-€-Pauschale im Entlastungsbudget aufgeht, wird das Sozialraumbudget für einige Anbieter zur naheliegenden zweiten Prüfoption neben technischen Produkten wie dem Hausnotruf – der Kundenzugang existiert bereits. Die Ausgangslage: Für Pflegebox-Anbieter.

Gründer und Plattformen

Zwischen Anspruch und Leistung liegen ungelöste Alltagsprobleme: passende Anbieter finden, Einsätze koordinieren, Leistungsnachweise führen, mit der Kasse abrechnen. Matching, digitale Nachweise und Abrechnungswege sind die Stellen, an denen neue Infrastruktur entstehen dürfte.

Was wird aus dem 40-Prozent-Umwandlungsanspruch?

Neben dem Entlastungsbetrag gibt es heute einen zweiten, oft übersehenen Finanzierungsweg für Alltagsunterstützung: Nach § 45a Abs. 4 SGB XI können Pflegebedürftige der Pflegegrade 2 bis 5 bis zu 40 Prozent ihres ambulanten Sachleistungsbetrags für anerkannte Angebote zur Unterstützung im Alltag umwidmen. Je nach Pflegegrad sind das heute rund 318 bis 920 Euro monatlich – in vielen Fällen deutlich mehr, als der 131-Euro-Entlastungsbetrag hergibt.

Heutige Rechtslage

131 Euro Entlastungsbetrag plus Umwandlungsanspruch: Bis zu 40 Prozent der ambulanten Sachleistung (796 bis 2.299 Euro je nach Pflegegrad) können zusätzlich in anerkannte Alltagsunterstützung fließen.

Regierungsentwurf

175 Euro Sozialraumbudget – eine ausdrückliche Nachfolgeregelung für den Umwandlungsanspruch enthält auch der Regierungsentwurf nicht. Das Sachleistungsbudget (§ 36 SGB XI-E) ist für professionelle Pflege durch zugelassene Dienste gedacht, das Sozialraumbudget für Alltagsangebote – die Budgets sind strikt getrennt.

Nach dieser Lesart würde die heutige Brücke zwischen Sachleistung und Alltagsunterstützung entfallen: Wer bislang umgewandelte Beträge einsetzt, stünde künftig allein mit den 175 Euro da. Für Anbieter wäre das zweischneidig – der Pauschalbetrag steigt, aber in intensiv genutzten Umwandlungsfällen könnte erhebliches Volumen wegbrechen. Ob der Gesetzgeber nachschärft, eine Übergangsregelung schafft oder die Trennung bewusst so will, ist offen – sicher ist das erst mit dem beschlossenen Gesetz.

Was der Regierungsentwurf regelt – und was offen bleibt

Mit der Kabinettsfassung vom 30. September 2026 sind einige der Fragen beantwortet, die der Referentenentwurf noch offen ließ – vor allem der Abrechnungsweg. Andere bleiben bis zum beschlossenen Gesetz Entwurfsstand.

Anerkennung: drei Wege, ein Ausschluss

Nach Regierungsentwurf gibt es drei Zugänge: die Anerkennung nach Landesrecht (§ 45a Abs. 3 – 16 Länder, 16 Verfahren), die Anerkennung von Einzelhelfenden als Nachbarschaftshilfe durch die Pflegekassen (§ 45a Abs. 4, Richtlinie des GKV-Spitzenverbands bis 1. Januar 2028, bis dahin weiter die Landesbehörde) und alternativ die Zulassung als ambulante Betreuungseinrichtung nach § 72. Wer den § 72-Weg geht, rechnet nicht mehr über das Sozialraumbudget ab, sondern über das Sachleistungsbudget – beides zugleich ist ausgeschlossen. Die Weiche § 45a oder § 72

Abrechnungsweg: jetzt geregelt

Das Sozialraumbudget bleibt Kostenerstattung: Die Pflegekasse zahlt gegen Belege über entstandene Eigenbelastungen (§ 45b Abs. 2). Neu ist die formalisierte Abtretung nach § 35b: Tritt die pflegebedürftige Person ihren Erstattungsanspruch an Sie ab, wird das erst wirksam, wenn sie die Abtretung der Kasse anzeigt – schriftlich oder elektronisch, mit Angaben zu Person, Abtretungsempfänger sowie Art und Höhe des Anspruchs. Die Kasse bestätigt der versicherten Person jede Zahlung an Sie. Damit ist die Direktabrechnung über Abtretung möglich, aber an ein Anzeigeverfahren gebunden.

Nachweise und Pflege-Cockpit

Belege bleiben Pflicht, die bisherige Vorgabe, auf jedem Beleg die Leistungsart für die Statistik zu kennzeichnen, entfällt. Neu ist das digitale Pflege-Cockpit, das jede Pflegekasse für jede pflegebedürftige Person anlegt: Dort können Belege eingereicht, der Bearbeitungsstand eingesehen und Abtretungen angezeigt oder geändert werden. Wer seine Leistungsnachweise digital und kassentauglich aufbereitet, verkürzt den Weg vom Einsatz zur Erstattung.

Der Ausschluss von Pflegegrad 1

Menschen mit Pflegegrad 1 erhalten kein Sozialraumbudget – sie verlieren den heutigen Entlastungsbetrag ersatzlos; der Entwurf verweist sie auf die Pflegebegleitung nach § 7c. Der GKV-Spitzenverband kritisiert, die Budgethöhen seien nicht nachvollziehbar hergeleitet. Ob der Ausschluss das Gesetzgebungsverfahren übersteht, ist eine der spannendsten offenen Fragen. Mehr zur Lage bei Pflegegrad 1

Wer darf das Sozialraumbudget abrechnen?

Abrechnen dürfen nach dem Regierungsentwurf nur Anbieter, die als Angebot zur Unterstützung im Alltag nach § 45a SGB XI anerkannt sind – auf einem von zwei Wegen: (1) Anerkennung nach Landesrecht (Betreuungs-, Entlastungs- und Alltagsbegleitungsangebote, Haushaltshilfen) oder (2) Anerkennung von Einzelhelfenden als Nachbarschaftshilfe durch die Pflegekasse. Nicht über das Sozialraumbudget abrechenbar sind ab 2027: ambulante Pflegedienste für Pflegeleistungen, Tages- und Nachtpflege, Kurzzeitpflege sowie Pflegehilfsmittel. Abgerechnet wird als Kostenerstattung gegen Beleg oder per angezeigter Abtretung direkt mit der Pflegekasse (§ 35b). Was das im Betrieb konkret ändert, steht in der folgenden Übersicht – und über alle vier Budgets hinweg in der Abrechnungs-Matrix für Leistungserbringer.

Abgrenzung – ein anderer Weg, kein Sozialraumbudget: Wer sich als ambulante Betreuungseinrichtung nach § 72 SGB XI zulassen lässt, rechnet über das Sachleistungsbudget ab, nicht über das Sozialraumbudget. Die Zulassung schließt die Anerkennung nach Landesrecht und als Nachbarschaftshilfe aus – beides gleichzeitig geht nach dem Regierungsentwurf nicht. Mehr zu dieser Weiche: § 45a oder § 72 – welcher Weg passt?

Für Leistungserbringer: Was Sie ab 2027 abrechnen dürfen – und was sich im Betrieb ändert

Wer heute Leistungen über den Entlastungsbetrag abrechnet, arbeitet ab dem 1. Januar 2027 nach Regierungsentwurf in einem anderen Regelwerk. Die Übersicht zeigt, was bleibt, was sich ändert und was das für Ihren Betrieb bedeutet – alles Entwurfsstand, bis Bundestag und Bundesrat entschieden haben.

 Heute (§ 45b alt)Ab 2027 (Regierungsentwurf)Für Ihren Betrieb
AbrechnungsberechtigtAnerkannte Alltagsangebote, ambulante Pflegedienste, Tages-/Nacht-/KurzzeitpflegeNur Angebote nach § 45a mit Anerkennung nach Landesrecht oder durch die PflegekassePflegeleistungen und Tagespflege fallen aus diesem Budget heraus – ein eigener, anerkannter Alltagshilfe-Zweig wird zur Voraussetzung
Budget131 € je Monat175 € je Monat, 300 € bis zum vollendeten 25. Lebensjahr+34 % je Kunde – bei engerer Konkurrenz um denselben Topf
AnsparenNicht genutzte Beträge bis 30. Juni des FolgejahresKeine Ansparung – das Budget steht je Monat zur VerfügungLeistungen monatlich takten; Nachholeinsätze aus angesparten Beträgen entfallen
AntragKein gesonderter Antrag; Erstattung gegen BelegeAnspruch ohne Antrag, Erstattung gegen Belege (§ 45b Abs. 2)Wie heute kein Antragsschritt vor dem ersten Einsatz
ZahlungswegKostenerstattung; Abtretung an den Anbieter in der Praxis verbreitetKostenerstattung gegen Belege; Abtretung nach § 35b erst wirksam nach Anzeige bei der KasseAbtretungserklärungen auf das Anzeigeverfahren umstellen – ohne Anzeige zahlt die Kasse an den Kunden, nicht an Sie
PreiseLandesrechtNicht über den Preisen vergleichbarer Sachleistungen zugelassener Pflegeeinrichtungen; Länder und GKV-Spitzenverband können Grenzen setzenStundensätze gegen den Deckel prüfen
40-%-UmwandlungBis zu 40 % der Sachleistung für AlltagsangeboteKeine Nachfolgeregelung – Budgets strikt getrenntUmwandlungsvolumen fällt weg; nur noch 175 € je Kunde
Pflegegrad 1AnspruchKein AnspruchBestand nach Pflegegraden prüfen – PG-1-Kunden werden zu Selbstzahlern oder fallen weg

So läuft die Abrechnung ab 2027 – in fünf Schritten

1. Anerkennung sichern

Anerkennung nach Landesrecht oder als Nachbarschaftshilfe über die Pflegekasse. Ohne Anerkennung keine Erstattung aus dem Sozialraumbudget. Wer stattdessen eine Zulassung nach § 72 wählt, rechnet über das Sachleistungsbudget ab, nicht über das Sozialraumbudget (siehe § 45a oder § 72).

2. Monatlich leisten, monatlich belegen

Je Kunde und Monat bis zu 175 € (300 €). Was in einem Monat nicht genutzt wird, kann nach dem Entwurf nicht angespart werden. Dokumentieren Sie Leistungen deshalb monatsgenau – eine Rechnung je Leistungsmonat erleichtert die Erstattung.

3. Abtretung anzeigen lassen

Wenn Sie direkt mit der Kasse abrechnen wollen: Der Kunde zeigt die Abtretung an – schriftlich, elektronisch oder im Pflege-Cockpit. Erst dann geht das Geld an Sie.

4. Belege einreichen

Rechnung mit Leistungsdatum, Leistungsart und Betrag; eingereicht vom Kunden oder – bei angezeigter Abtretung – von Ihnen. Die Statistik-Kennzeichnung auf dem Beleg entfällt.

5. Erstattung und Bestätigung

Die Kasse erstattet bis zur Budgethöhe und informiert den Kunden über jede Zahlung an Sie und den Restanspruch. Mehr als das Budget trägt der Kunde selbst.

Was Sie bis Jahresende vorbereiten sollten

Erstens: Bestand nach Pflegegraden und nach heutiger Nutzung sortieren – wer Umwandlungsbeträge oder angesparte Entlastungsbeträge einsetzt, verliert nach Entwurfsstand Volumen; wer Pflegegrad 1 hat, verliert den Anspruch. Zweitens: Abtretungsformulare an § 35b anpassen (Person, Abtretungsempfänger, Art und Höhe des Anspruchs) und die Anzeige bei der Kasse in den Aufnahmeprozess einbauen. Drittens: Leistungstaktung auf Monatsbudgets umstellen – aus Sammelrechnungen für angesparte Monate werden Monatsrechnungen. Viertens: Preise gegen die Deckelung an Sachleistungspreisen prüfen. Fünftens: Fördermittel prüfen – § 45c sieht nach Entwurf 125 Millionen Euro jährlich aus dem Ausgleichsfonds für Auf-, Ausbau und laufende Unterstützung von Angeboten nach § 45a vor, mit Ko-Förderung von Ländern und Kommunen bis zu 250 Millionen Euro. Und sechstens: Für Anbieter mit Kundenbestand, die keine Alltagshilfe aufbauen wollen, bleibt der Hausnotruf die Leistung, die vom PNOG nach Entwurfsstand unberührt ist – ohne eigene Infrastruktur, unter Ihrer Marke.

PNOG verändert Ihr Geschäftsmodell? Ihre Kunden bleiben.

Erweitern Sie Ihr Angebot, statt Ihren Markt zu verlassen. Welche Gruppen nach Entwurfsstand profitieren und welche unter Druck geraten, zeigt der PNOG-Auswirkungen-Überblick – und warum der Hausnotruf für Anbieter mit Pflege-Kundenbestand die naheliegendste Erweiterung ist, ohne eigene Infrastruktur aufzubauen, erklärt Hausnotruf für Pflegebox- und Homecare-Anbieter.

DCO. Die Infrastruktur für den Hausnotruf.

Entlastungsbetrag wird Sozialraumbudget: Das werden Ihre Kunden fragen

„Was wird aus meinem Entlastungsbetrag?“

Er geht nach Entwurfsstand zum 1. Januar 2027 im Sozialraumbudget auf: 175 € statt 131 €, aber nur noch für Alltagsunterstützung. Angesparte Beträge aus 2026 sollten bis zum Stichtag genutzt werden – eine Übergangsregelung für Restguthaben enthält der Entwurf nicht ausdrücklich.

„Muss ich das beantragen?“

Nein. Das Sozialraumbudget entsteht mit dem Pflegegrad automatisch. Ausgezahlt wird gegen eingereichte Belege – künftig auch über das digitale Pflege-Cockpit der Kasse – oder der Anspruch wird an den Anbieter abgetreten.

„Gilt das auch für mein Kind?“

Ja, mit höherem Betrag: Bis zum vollendeten 25. Lebensjahr sind es 300 € im Monat, ebenfalls ab Pflegegrad 2 und ebenfalls nur für anerkannte Alltagsangebote.

„Ich habe Pflegegrad 1 – was bekomme ich?“

Nach dem Regierungsentwurf kein Sozialraumbudget. Der heutige Entlastungsbetrag entfällt für Pflegegrad 1 ersatzlos; der Entwurf verweist auf die Pflegebegleitung nach § 7c. Ob der Bundestag das ändert, ist offen.

Sozialraumbudget Pflege 2027: Was sich für Pflegebedürftige, Angehörige und Pflegedienste ändert

Das Sozialraumbudget ist der Teil der Pflegereform 2027, der die häusliche Pflege am direktesten verändert – nicht beim Geldbetrag, sondern bei der Frage, wer ihn einsetzen und wer ihn abrechnen darf. Nach Regierungsentwurf gilt ab 1. Januar 2027:

Pflegebedürftige

Pflegegrad 2 bis 5 erhalten 175 € im Monat statt 131 € Entlastungsbetrag – ohne Antrag, aber zweckgebunden für anerkannte Angebote nach § 45a. Pflegegrad 1 geht leer aus: weder Entlastungsbetrag noch Sozialraumbudget.

Pflegende Angehörige

Das Budget bezahlt Alltagshilfe, Betreuung und Nachbarschaftshilfe, die Angehörige entlasten – per Kostenerstattung gegen Beleg oder Abtretung an den Anbieter. Nicht angesparte Beträge verfallen; ein Ansparen wie beim Entlastungsbetrag ist nicht vorgesehen.

Pflegedienste

Zugelassene Pflegedienste nach § 72 können das Sozialraumbudget nach Entwurfsstand nicht abrechnen – die Zulassung schließt die § 45a-Anerkennung aus. Hauswirtschaft und Betreuung durch den Pflegedienst laufen stattdessen über das Sachleistungsbudget (890 bis 2.530 €).

Nicht betroffen ist der Hausnotruf: Er bleibt technisches Pflegehilfsmittel nach § 40 Abs. 1 SGB XI und wird weiter monatlich von der Pflegekasse bezahlt – unabhängig vom Sozialraumbudget. Für Anbieter, die 2027 Kunden an die Budgetlogik verlieren könnten, ist er das planbare zweite Standbein: Hausnotruf für Pflegebox-Anbieter · Hausnotruf für Pflegedienste.

Häufige Fragen zum Sozialraumbudget

Was ist das Sozialraumbudget?

Das Sozialraumbudget ist die im PNOG-Regierungsentwurf geplante Nachfolgeleistung des Entlastungsbetrags nach § 45b SGB XI. Statt heute 131 Euro sollen ab Pflegegrad 2 monatlich 175 Euro zur Verfügung stehen, für Pflegebedürftige bis zum vollendeten 25. Lebensjahr 300 Euro. Einsetzbar ist das Budget ausschließlich für anerkannte Angebote zur Unterstützung im Alltag – nicht mehr für ambulante Pflegedienste oder Tages- und Nachtpflege. Ein Ansparen nicht genutzter Beträge ist nicht mehr vorgesehen.

Wer kann Leistungen über das Sozialraumbudget abrechnen?

Nach dem Entwurf nur nach Landesrecht anerkannte Angebote zur Unterstützung im Alltag – etwa Alltagsbegleitung, Haushaltshilfe, Betreuungsgruppen oder Nachbarschaftshilfe mit Anerkennung. Ambulante Pflegedienste können ihre klassischen Pflegesachleistungen nicht mehr über dieses Budget abrechnen; wer den Markt bedienen will, braucht einen anerkannten Alltagshilfe-Zweig.

Gilt das Sozialraumbudget auch für Pflegegrad 1?

Nein. Der Entwurf sieht das Sozialraumbudget erst ab Pflegegrad 2 vor. Pflegegrad 1 verliert mit dem heutigen Entlastungsbetrag von 131 Euro und dem Zuschuss von 42 Euro insgesamt rund 173 Euro im Monat ersatzlos – als Ausgleich ist lediglich die neue Pflegebegleitung vorgesehen, eine Beratungs- und Begleitleistung ohne Geld- oder Sachleistungscharakter.

Ab wann soll das Sozialraumbudget gelten?

Der Hauptteil des PNOG soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten. Das Kabinett hat den Entwurf am 30. September 2026 beschlossen; jetzt folgen Bundestag und Bundesrat. Der Regierungsentwurf bestätigt das Sozialraumbudget (siehe Update oben); bis zur Verabschiedung ist alles hier Beschriebene Entwurfsstand und kann sich im Verfahren noch ändern.

Was wird aus der 40-Prozent-Umwandlung des Sachleistungsbetrags?

Heute können Pflegebedürftige der Pflegegrade 2 bis 5 nach § 45a Abs. 4 SGB XI bis zu 40 Prozent ihres ambulanten Sachleistungsbetrags für anerkannte Alltagsangebote umwidmen – je nach Pflegegrad rund 318 bis 920 Euro monatlich. Der Regierungsentwurf enthält dafür keine ausdrückliche Nachfolgeregelung: Sachleistungsbudget und Sozialraumbudget sind strikt getrennt. Nach dieser Lesart würde der Umwandlungsanspruch entfallen – sicher ist das erst mit dem beschlossenen Gesetz.

Kann ich als Anbieter das Sozialraumbudget direkt mit der Pflegekasse abrechnen?

Nach Regierungsentwurf bleibt das Sozialraumbudget eine Kostenerstattung an die pflegebedürftige Person gegen Belege. Eine Direktabrechnung ist über die Abtretung des Erstattungsanspruchs möglich – sie wird nach § 35b aber erst wirksam, wenn der Kunde die Abtretung der Pflegekasse anzeigt, schriftlich, elektronisch oder im Pflege-Cockpit. Ohne diese Anzeige zahlt die Kasse an den Kunden.

Verfällt das Sozialraumbudget, wenn es in einem Monat nicht genutzt wird?

Ja, nach Entwurfsstand. Anders als beim heutigen Entlastungsbetrag, der bis zum 30. Juni des Folgejahres angespart werden kann, steht das Sozialraumbudget je Monat zur Verfügung; eine Ansparmöglichkeit ist laut Gesetzesbegründung nicht mehr vorgesehen. Für Anbieter heißt das: monatliche Leistungstaktung statt Sammelabrechnung angesparter Beträge.

Wie hoch ist das Sozialraumbudget 2027?

175 € im Monat für Pflegegrad 2 bis 5, 300 € im Monat bis zum vollendeten 25. Lebensjahr – ohne Staffelung nach Pflegegrad. Pflegegrad 1 erhält nichts. Stand: Regierungsentwurf vom 30. September 2026.

Wofür darf das Sozialraumbudget verwendet werden?

Ausschließlich für nach § 45a SGB XI anerkannte Angebote zur Unterstützung im Alltag: Betreuungsangebote, Entlastung pflegender Angehöriger, Alltagsbegleitung, haushaltsnahe Unterstützung und anerkannte Nachbarschaftshilfe. Nicht mehr für ambulante Pflegedienste, Tages- oder Nachtpflege, Kurzzeitpflege oder Pflegehilfsmittel.

Muss das Sozialraumbudget beantragt werden?

Nein. Der Anspruch entsteht mit Pflegegrad 2 oder höher automatisch. Die Pflegekasse erstattet gegen eingereichte Belege, oder der Anbieter rechnet nach angezeigter Abtretung direkt mit der Kasse ab.

Zählt Nachbarschaftshilfe zum Sozialraumbudget?

Ja. Anerkannte Einzelhelfende (Nachbarschaftshilfe) sind eine der drei Zugangsformen zu den Angeboten zur Unterstützung im Alltag. Die Anerkennung geht nach Entwurf auf die Pflegekassen über (Richtlinie des GKV-Spitzenverbands bis 1. Januar 2028), bis dahin bleibt die Landesbehörde zuständig; die Vergütung richtet sich nach Landesrecht.

Was passiert mit angespartem Entlastungsbetrag aus 2026?

Der Regierungsentwurf enthält keine ausdrückliche Übergangsregelung für Restguthaben. Nach heutiger Regel können Beträge bis zum 30. Juni des Folgejahres genutzt werden; ob das für Guthaben aus 2026 nach dem Systemwechsel gilt, ist offen. Empfehlung an Kunden: Guthaben bis Jahresende 2026 einsetzen.

Kann ich das Sozialraumbudget für die Tagespflege einsetzen?

Nein. Nach dem Regierungsentwurf ist das Sozialraumbudget zweckgebunden für anerkannte Angebote zur Unterstützung im Alltag nach § 45a. Der heute mögliche Zuschuss aus dem Entlastungsbetrag zum Tagespflege-Eigenanteil entfällt damit. Der Anspruch auf Tages- und Nachtpflege nach § 41 bleibt bestehen und kann weiterhin zusätzlich zu Sachleistung, Pflegegeld oder Überbrückungsbudget genutzt werden, ohne Anrechnung.

Was bedeutet das Sozialraumbudget für die Pflege 2027 konkret?

Für Pflegebedürftige der Pflegegrade 2 bis 5: 175 € im Monat statt 131 € Entlastungsbetrag, ohne Antrag, aber nur für anerkannte § 45a-Angebote (Alltagshilfe, Betreuung, Nachbarschaftshilfe). Für Pflegegrad 1 entfällt die Leistung. Für Pflegedienste: nicht abrechenbar, da die § 72-Zulassung die § 45a-Anerkennung ausschließt – ihre Leistungen laufen über das Sachleistungsbudget. Der Hausnotruf bleibt davon unberührt. Alles nach Regierungsentwurf, Stand Oktober 2026.

Stand und Quellen

Rechtsstand: Regierungsentwurf vom 30. September 2026. Zuletzt redaktionell überarbeitet: 18. Oktober 2026. Grundlage: Gesetzentwurf der Bundesregierung für ein Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG), Kabinettsfassung (BMG, PDF), Kabinettsbeschluss vom 30. September 2026, Bundesrats-Drucksache 587/26, insbesondere § 45a, § 45b und § 35b SGB XI-E sowie die Gesetzesbegründung; Vergleichswerte nach geltendem Recht (§ 45b SGB XI, Leistungsbeträge 2025). Noch kein geltendes Recht – Bundestag und Bundesrat entscheiden. Diese Seite wird nach jedem Verfahrensschritt aktualisiert.

So zitieren: DCO Care Solutions, „Sozialraumbudget 2027: 175 € monatlich“, PNOG-Radar, Stand 18. Oktober 2026, dco-care.de/wissen/pnog-sozialraumbudget/

Autor: Dimitri Uljanow, DCO Care Solutions GmbH, Schwerpunkt Hausnotruf-Versorgung nach § 40 SGB XI, Präqualifizierung, eKV und Abrechnung mit den Pflegekassen.

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Ob Budgethöhen, Anerkennungsverfahren oder Abrechnungswege: Das Gesetzgebungsverfahren läuft, und viele Details entscheiden sich erst im Herbst. Im PNOG-Radar halten wir den Stand laufend nach – inklusive Zeitplan, Ampelbewertung und den Folgen für einzelne Leistungsarten.

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Redaktionelle Analyse auf Basis des PNOG-Referenten- und Regierungsentwurfs, Stand: 18. Oktober 2026. Keine Rechtsberatung. Alle Angaben können sich im Gesetzgebungsverfahren ändern.